Apr

30

Donnerstag

The Turin Horse

Die Anekdote ist bekannt: Am 3. Januar 1889 sieht Friedrich Nietzsche in Turin, wie ein Kutscher sein Pferd misshandelt. Der Philosoph setzt dem Treiben ein Ende, indem er sich dem Tier schluchzend an den Hals wirft. Nietzsche wird nach Hause gebracht, bleibt zwei Tage stumm, spricht einige letzte Worte, um danach die verbleibenden zehn Jahre seines Lebens stumm und geistig verwirrt unter der Obhut von Schwester und Mutter zu verbringen. Unbekannt ist, was mit dem Pferd geschah. Béla Tarr nutzt diese Ausgangslage in seinem letzten Film, um zu zeigen, wie es gewesen sein könnte. "The Turin Horse" zeigt in sechs, mit Zwischentiteln ankündigten Tagen das gleichförmige Leben des Kutschers, seiner Tochter und des Pferdes – einzig unterbrochen vom Besuch eines Nachbarn oder von Vorbeiziehenden, die um Wasser bitten, während der Wind unaufhörlich durch die karge Landschaft tost. Béla Tarr hat in Zusammenarbeit mit seiner Co-Regisseurin Ágnes Hranitzky, dem Komponisten Mihály Víg und dem Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai ein Werk von geradezu übernatürlicher Schönheit geschaffen, das in makellosem Schwarz-Weiss einem Minimalismus huldigt, der es in sich hat. Milena Gregor vom Arsenal Filminstitut schreibt: "Rätselhaft, rigoros, hoch konzentriert kehren Tarr und Hranitzky in knapp dreissig Einstellungen die Schöpfungsgeschichte um."

 

Total: XX.XX CHF

Infos

Ort:

Kinok – Cinema in der Lokremise, Grünbergstrasse 7, St. Gallen, CH

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Veranstalter:in

The Turin Horse wird organisiert durch: