Der 1929 erschienene Roman La femme qui boit (Eine Frau, die trinkt) von Colette Andris war lange vergessen – 2025 erschien er erstmals auf Deutsch. In poetischer Sprache und ungewöhnlicher Form erzählt das Buch vom Leben einer Trinkerin im Paris der 1920er Jahre.
Das erste Mal betrunken ist Guita mit acht Jahren. Um ihre Eltern zu »bestrafen«, die ihr kein Schmetterlingsnetz kaufen wollen, trinkt sie Wein aus dem großen Fass im Keller. Dann, sechzehnjährig, betrinkt sie sich auf einer Party mit Champagner. Das versteht ihr Freund Jacques als Freibrief und geht viel zu weit. Sie heiratet ihn, weil es sich so gehört, und trinkt weiter. Absinth, Portwein, Gin, Whisky. Guita gibt sich den Männern und dem Rausch hin und ertränkt jeden Tag in »dem sinnlichsten aller Nebel, in dem alles in einem einvernehmlichen Nichts zu schwimmen scheint«. In diesem ebenso hungrigen wie trunkenen Frauenleben verbinden sich Lebenslust und Verzweiflung, Missbrauchserfahrungen und Selbstermächtigung in eindrücklicher, zwiespältiger Weise.
Ebenso ungewöhnlich wie das Buch ist das Leben seiner Autorin: Colette Andris wurde 1901 in Marseille geboren. Sie wuchs in einer Akademikerfamilie auf und studierte Literatur. Nach einem ›normalen‹ Leben samt Professorinnen-Laufbahn stand ihr jedoch
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Der 1929 erschienene Roman La femme qui boit (Eine Frau, die trinkt) von Colette Andris war lange vergessen – 2025 erschien er erstmals auf Deutsch. In poetischer Sprache und ungewöhnlicher Form erzählt das Buch vom Leben einer Trinkerin im Paris der 1920er Jahre.
Das erste Mal betrunken ist Guita mit acht Jahren. Um ihre Eltern zu »bestrafen«, die ihr kein Schmetterlingsnetz kaufen wollen, trinkt sie Wein aus dem großen Fass im Keller. Dann, sechzehnjährig, betrinkt sie sich auf einer Party mit Champagner. Das versteht ihr Freund Jacques als Freibrief und geht viel zu weit. Sie heiratet ihn, weil es sich so gehört, und trinkt weiter. Absinth, Portwein, Gin, Whisky. Guita gibt sich den Männern und dem Rausch hin und ertränkt jeden Tag in »dem sinnlichsten aller Nebel, in dem alles in einem einvernehmlichen Nichts zu schwimmen scheint«. In diesem ebenso hungrigen wie trunkenen Frauenleben verbinden sich Lebenslust und Verzweiflung, Missbrauchserfahrungen und Selbstermächtigung in eindrücklicher, zwiespältiger Weise.
Ebenso ungewöhnlich wie das Buch ist das Leben seiner Autorin: Colette Andris wurde 1901 in Marseille geboren. Sie wuchs in einer Akademikerfamilie auf und studierte Literatur. Nach einem ›normalen‹ Leben samt Professorinnen-Laufbahn stand ihr jedoch nicht der Sinn: Colette Andris verkörpert die Modernität der ›années folles‹, als Schriftstellerin und auf der Bühne. Sie war die erste Nackttänzerin in der Geschichte der Music Hall, eine avantgardistische Autorin und wurde als Theater- und Filmschauspielerin bekannt.
Jan Rhein, der das Buch übersetzt und mit einem Nachwort versehen hat, wird den Text und seine Autorin vorstellen, dazu wird Sarah Nielsen Ausschnitte daraus lesen.
Wann: Dienstag, 27. Januar, 19 Uhr
Wo: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Eintritt: 5 bis 10 Euro nach Selbsteinschätzung
Platzreservierung: kw@cvo-buchladen.de
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